suchen

Wähle deinen Bezirk aus

26. Juni 2020

Last Resort

Content Bild

Cut my life into pieces

This is my last resort

Suffocation

No breathing

Don't give a fuck

if I cut my arm, bleeding

(Papa Roach)

2020 ist ein spezielles Jahr. Ein Virus legt eine ganze Stadt lahm. Wie haben die Besucher*innen des Jugend- und Stadtteilzentrums come2gether diese herausfordernde Zeit erlebt? Wie hat das alles für sie begonnen? Was hat sich für sie verändert? Was wird ihrer Meinung nach bleiben? Was hat sie besonders betroffen?

Wie wird sich dieser Frühling auf ihre Zukunft auswirken und was muss passieren, damit die Folgen für sie erträglich bleiben?

Anhand von Interviews soll das Projekt LAST RESORT diesen speziellen Frühling dokumentieren, die hier in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht werden.

Content Bild

Interview mit Isa, 15 Jahre (geführt am 15. 4. 2020)

Du bist jetzt seit vier Wochen zu Hause in Quarantäne. Wie geht es dir?

Es ist ungewohnt.

Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Ich steh um acht Uhr auf, manchmal auch früher. Dann schau ich einmal auf meiner Wochenliste, was ich machen muss, überlege, was ich zuerst mache. Damit es mir nicht zu viel wird, lege ich immer wieder eine Pause ein. Zu Mittag werde ich meistens fertig mit meinen Schulaufgaben. Wenn ich mich noch konzentrieren kann, arbeite ich ein wenig vor, damit ich am nächsten Tag weniger zu tun habe. Oder ich zeichne. Oder ich schaue ein paar Serien.

Hast du eine besondere Strategie gegen Langeweile?

Das passiert öfters. Besonders in den Osterferien hatte ich nicht so viel zu tun. Ich habe viel Zeit am Balkon verbracht und ein bisschen gechillt. Oder ich chatte per Video mit Freunden. Oder ich schaue mir Serien an, zeichne, lese, das ist verschieden.

Hast du einen Serientipp?

Ich schaue sehr viele Anime. Im Moment schaue ich eine, die ich schon gesehen habe, noch einmal an, weil sie mir so gut gefällt. Sie heißt „My hero academia“. Eine deutsche Serie, die ich mir auch ansehe, ist „Der Lehrer“.

Und was liest du?

Ich hatte als Klassenlektüre zwei Romane zu lesen, mit denen bin ich jetzt fertig. „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt und „Die Mitte der Welt“. Jetzt lese ich gerade ein Buch fertig, dass schon vorher begonnen habe. Das heißt „Die Buchspringer“.

Wie kommunizierst du mit deinen Freundinnen und Freunden?

Das ist verschieden. Meistens über Skype oder Whats App. Houseparty habe ich mir installiert, aber ich muss zugeben, dass ich mich damit zu Recht nicht gefunden habe.

Ich freu mich, wenn die Quarantäne wieder zu Ende ist, dann kann ich wieder raus. Man muss dann aber immer noch aufpassen. Es ist aber nicht so schlimm geworden, wie ich es erwartet habe.

Wie wird es mit deinem Schulabschluss?

Ich habe heute von meinem Klassenvorstand eine Übersicht über die Aufgaben in allen Fächern bekommen. Wie es genau aussieht wissen wir nicht. Im Moment sieht es danach aus, dass wir Mitte April wieder in die Schulen kommen. Von Freundinnen aus anderen Schulen habe ich gehört, dass die schon ihre Noten wissen und dass sie fix aufsteigen werden. Bei uns ist das nicht so.

Content Bild

Interview mit Marcel, 18 Jahre (geführt am 10. 4. 2020)

Du bist jetzt seit vier Wochen zu Hause in Quarantäne. Wie geht es dir?

Mir geht es ganz gut, die Quarantäne ist nicht so schlimm für mich. Ich bin zwar ein Mensch der sehr gerne an der frischen Luft spazieren geht und man darf halt nicht raus, außer man geht alleine spazieren oder in den Supermarkt. Aber ich finde das ganz in Ordnung, weil ich ja anderen Menschen nicht schaden will.

Hast du eine besondere Strategie gegen Langeweile?

Streamen ist ein großes Thema, wenn ich zu Hause bin. Ich schaue Serien auf verschiedenen Plattformen.

Und ich beschäftige mich mit Dingen, für die ich sonst keine Zeit hatte, zum Beispiel zeichnen. Das letzte Mal habe ich vor drei, vier Monaten gezeichnet und jetzt habe ich wieder die Zeit dafür gefunden. Ich nehme mir gerne Zeit dafür und die habe ich jetzt in der Quarantäne. Ich habe ein Projekt, dass ich alle meine Zeichnungen, die während der Zeit entstehen, sammle. Ich beschäftige mich dabei mit einfachen Objekten, die ich freihändig zu Papier bringe, zum Beispiel eine Polaroidkamera mit Bild, simple Landschaften mit einfachen Strichen oder auch kreative Grafiken.

Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Ich gehe meistens zwischen ein und zwei Uhr schlafen und stehe zwischen sieben und neun Uhr auf. Bis zehn Uhr bleibe ich im Bett und sehe am Handy youtube oder Instagram. Dann mache ich mir ein Frühstück.

In der Quarantäne habe ich begonnen, öfter zu kochen. Bis jetzt habe ich nur selten gekocht, in der Schule oder zu Hause, fast nie nur für mich alleine. Seit Corona ist das anders geworden. Jetzt koche ich auch für mich. Eierspeise, Schnitzel oder Nudeln. Ich habe auch angefangen, Kuchen zu backen. Mit meiner Mutter habe ich zum Beispiel einen Zitronenkuchen mit Schokoglasur und Kokosflocken gemacht. Meine Mutter ist eine sehr gute Köchin, mit der ich jetzt mehr koche. Sie zeigt mir Rezepte, die für meine Kultur typisch sind, zum Beispiel Burek. Das war für mich sehr interessant, weil ich ihr bis jetzt immer nur zugesehen habe. Das Kochen mit ihr hat mir viel Spaß gemacht. Natürlich passieren mir immer wieder Fehler. Bei meinen ersten Nudeln habe ich die Zwiebeln in der Pfanne verbrannt, weil die Temperatur zu hoch war.

Wie sieht es bei dir in der Schule aus?

Zurzeit gehe in die St. Christiana Rodaun, das ist eine Fachschule für wirtschaftliche Berufe. Wir haben unsere Aufgaben seit Beginn der Zeit per Microsoft Team bekommen. Es hat sehr gut funktioniert. Wir konnten auch unseren Lehrer bei Fragen anrufen oder anschreiben. Ich bin jetzt im Abschlussjahr und da habe ich mich gefragt, wie ich meinen Abschluss machen werde. Der wäre Mitte April gewesen. Der verschiebt sich jetzt nach hinten, wahrscheinlich um einen Monat. Da muss ich abwarten.

Bei uns sind die drei Hauptfächer Deutsch, Rechnungswesen und Englisch. Deutsch und Rechnungswesen haben wir schriftlich, Englisch hätten wir mündlich gehabt. Englisch wird entfallen, außer man will sich die Note verbessern. Ich bin mit meiner Note zufrieden und werde das nicht machen. Ich spreche sehr gut Englisch, aber das Schriftliche ist nicht meine Stärke. Ich hätte auch eine Prüfung als Restaurantfachmann und Koch, aber die wird wahrscheinlich auch entfallen. Bei der Prüfung müssten wir ein Menü zubereiten und Gäste an einem Tisch bedienen. Das ist wegen Corona vermutlich nicht möglich. Aber diese Prüfung wird man nachholen können. Wir haben an der Schule auch noch ein Wunschfach. Bei mir war das Fotografie und IT. Das wird eine schriftliche Prüfung, die werde ich machen.

Ich bereite mich jetzt auch in den Osterferien auf meinen Abschluss vor und lerne jeden Tag so ein, zwei Stunden Deutsch und Rechnungswesen, damit ich nicht alles vergesse. Ich muss bei meiner Abschlussarbeit eine Zusammenfassung und eine Erörterung schreiben und in Rechnungswesen kommen Bilanzen und Jahresabschluss und so. Wenn ich erst Ende Mai antrete, habe ich, wenn ich das nicht wiederhole, alles vergessen.

Wie geht es bei dir nach den Abschlussprüfungen weiter?

Mein Plan wäre gewesen, dass ich ab September in den Aufbaulehrgang gehe um die Matura in drei Jahren zu machen. Jetzt habe ich die Ausbildung zum Bürokaufmann, zum Restaurantfachmann und zum Koch. Jetzt wurde ich aber im Juni zum Bundesheer einberufen. Jetzt muss ich mich um einen Aufschub kümmern. Sollte das nicht funktionieren, kann ich den Aufbaulehrgang erst im nächsten Jahr beginnen. Ich hoffe, dass ich das mit der Einberufung regeln kann, denn ich bin jetzt gerade sehr motiviert, darum wäre dieser Lehrgang heuer perfekt für mich.

{Name}

{Content}